Mikroplastik in aller Munde

Artikel der OGL im Mitteilungsblatt vom 1.8.2019

Die Sprache treibt mitunter schon seltsame Blüten: „Fußballer fürchten um Kunstrasenplätze“ (Spiegel-Online, 21.07.), bzw. „Mikroplastik-Verbot bedroht“ diese (n-tv) oder sie sind gar  „gefährdet“ (Wirtschaftswoche).

 

Die Sorge konzentriert sich ganz auf den Kunstrasen, der die Sportler so weich fallen lässt, dabei böten die Analysen der EU eher den Anlass dazu, sich um die Gesundheit derer zu sorgen, die diese Plätze benutzen oder die Umwelt drumherum. Aktuell klagt ein Uhinger Bauer vor dem Baden-Württembergischen Umweltausschuss gegen den Bau eines Kunstrasenplatzes. Er befürchtet, dass durch die Ausbringung von 35 Tonnen Granulat und deren Verbreitung durch Wind und Regen die Erträge seiner umliegenden Felder schlicht wertlos werden.

 

Egal ob achtlos weggeworfenes Plastik oder gezielt für einen bestimmten Zweck ausgebrachtes Granulat, der sich mit der Zeit zersetzende Kunststoff wird immer kleiner und reichert sich früher oder später in Organismen an, das haben jüngste Untersuchungen klar bewiesen. Zurückholen werden wir die Mikropartikel nicht können. Was sie auf Dauer im Menschen bewirken werden wissen wir auch noch nicht. Zeit zu erkennen, dass wir, aus welchem Kalkül auch immer,  unnatürliche Dinge in die Umwelt bringen, die da nicht hingehören und dass wir dies in Zukunft besser bleiben lassen.

 

Horst Seehofer (CSU) wirbt übrigens als Sportminister für  „einen vernünftigen Ausgleich zwischen Umweltschutz und den berechtigten Interessen des Sports“, Gesundheit gehört da offenbar nicht dazu. Auch für das Bundesumweltministerium steht ein Verbot noch nicht fest. Alles wie immer also und es besteht noch Hoffnung für die herrlich flachen, immergrünen Kunststoffdeponien. Geht demonstrieren, Kinder!
Uns ist bewusst, dass auch in Edingen-Neckarhausen die Fußballer den Kunstrasen lieben, denn er ist unabhängig vom Wetter jederzeit bespielbar und leichter zu pflegen. Doch sollten uns vor allem die Gesundheit unserer Sportler und eine gesunde Umwelt wichtig sein. Deshalb wollen wir alle Alternativen genau prüfen, bevor ein neuer Kunstrasenplatz gebaut wird. (UD/WH)