Allmende – was ist das? Ein spannender Vortrag mit Diskussion

 

Gemeinderat Rolf Stahl begann seinen Vortrag mit einer kleinen Anekdote: Ein über 90-jähriger Edinger antwortete auf die Frage, ob er etwas über die Allmende wisse, mit dem Satz: „Allmend – bald am End“ und erklärte dann, dass die Allmende noch bis 1947 in der Gemeinde den mittellosen alten Menschen dazu diente, sich noch etwas Gemüse für den Eigenbedarf anzubauen, wer also auf die Allmende angewiesen war stand meist kurz vor dem Ende.

 

Drei Motive nannte Rolf Stahl für sein Interesse am Thema Gemeingüter: Die große Schadstoffbelastung des Neckar, ein Zitat von Bob Hopkins „Handeln vor Ort kann die Welt verändern!“ und seine Beschäftigung mit indigenen Völkern. So die Aussage eines mongolischen Nomaden: „Wie kann man Land kaufen, wenn man es nicht mit sich nehmen kann? Dann könnte man ja auch den Mond besitzen.“ Tatsächlich gehört neben Luft, Wasser, Boden, den Urwäldern und den Ozeanen auch der Weltraum zu den Gemeingütern, die eigentlich allen Menschen zur Verfügung stehen sollten. Bis zum Beginn der Neuzeit gab es neben dem herrschaftlichen Land noch viele Allmenden sei es in Form von gemeinschaftlich genutzten Land oder als Fisch- bzw. Jagdrechte. Ab dem15.Jahrhundert eigneten sich in Deutschland und England weltliche Herrscher die Gemeindeflächen an (Allmende-Raub). Das Problem bei der gemeinsamen Nutzung solcher Güter ist, dass eine Übernutzung und ein Missbrauch dem Einzelnen wirtschaftlich nützen, aber der Schaden betrifft alle. Die Verschmutzung von Flüssen nützt einem einzelnen Betrieb, aber der Schaden verteilt sich auf die ganze Bevölkerung. Deshalb kann ein gemeinsames Eigentum an solchen Gütern nur nachhaltig allen zugutekommen, wenn es klare Regeln gibt, die auch durchgesetzt werden. In der heutigen Zeit, in der die Erde für die wachsende Anzahl von Menschen nur noch begrenzte Ressourcen bietet, wirkt sich die egoistische Aneignung der Gemeingüter katastrophal aus.

 

Die angeregte Diskussion führte unter anderem auf die aktuelle Debatte um die Enteignung von überteuerten Wohnungen und auch auf die Verantwortung der Landwirte für die Erhaltung der Natur und des Trinkwassers. Die Idee der Allmende kann die weitere Diskussion gewiss befruchten. (WH)