Wohnen neu denken – Quartierskonzept „Albgrün“ mit genossenschaftlichem Wohnen

Artikel der OGL im Mitteilungsblatt vom 27.09.2018

Viele Interessierte waren gekommen, um über das Wohnprojekt „Am Albgrün“ aus Karlsruhe den Ausführungen des Architekten und eines Mitorganisatoren der ersten Stunde zu lauschen, die beide in den entstandenen Gebäuden auch wohnen. Ungewöhnlich an diesem Quartiersprojekt ist, dass Gruppen in unterschiedlichen Wohnformen beteiligt sind:  Mieter einer städtischen Wohnungsbau-gesellschaft, Wohnungseigentümer und Mitglieder einer Genossenschaft. Das ermöglichte eine gute Altersdurchmischung. Wichtiger Bestandteil des Quartiers sind integrierten  gemeinschaftlich finanzierten Räume wie ein Gemeinschaftssaal und zwei Gemeinschaftsräume Zudem gibt es gibt drei Gäste-Wohnungen, zum Anmieten von den  Bewohner*innen. Auch ein Café, eine Kindertagesstätte (der Diakonie) sowie ein Arzt und andere Gesundheitseinrichtungen haben sich angesiedelt.

 

Was das ganze Projekt so besonders macht, ist die Organisation des sozialen Lebens, das es jede/r Bewohner*in ermöglicht, nach eigenem Bedürfnis an gemeinsamen Aktivitäten wie Joggen, Yoga, Chor, Gartenarbeit, etc. teilzunehmen. In Zeiten der Vereinsamung der Menschen bietet dies neue Wege des zwanglosen Zusammenlebens. Es gibt zudem eine Behinderten-WG und zwei Senioren-WG. Alles ist behindertengerecht gebaut. Und alles wurde demokratisch entschieden.2007 startete das Projekt. Die Stadt stellte eine Fläche zur selbstbestimmten Gestaltung der Wohnhäuser zur Verfügung. Sie hatte für diese Phase einen Projektentwickler engagiert, der monatliche Treffen zum Einwerben der Interessenten veranstaltete. 2009 begann dann mit ca. 70 Interessenten die von der Stadt organisierte Planungswerkstatt für die Entwicklung eines  Städtebau-Konzeptes. 2012 erfolgte der Kauf der Grundstücke, ein Jahr später startete der Bau der Gebäude und schließlich konnten 2015 alle Beteiligten in ihre Wohnungen einziehen. Viel Zeit wäre gespart worden, wenn es gleich einen Bebauungsplan gegeben hätte, wie die Referenten betonten.

 

Ohne private Initiative ist ein solches Projekt kaum denkbar. Wenn es eine solche gibt, hängt allerdings viel davon ab, dass eine Kommune dafür einen Platz und ausreichenden Zeitrahmen zur Verfügung stellt. Das lohnt sich, wie es das Beispiel in Karlsruhe zeigt, denn die soziale Ausstrahlung des Quartiers wertet die Umgebung positiv auf.

 

Interessenten für ein alternatives Wohnprojekt können sich gern bei uns melden, wir würden dann Kontakt mit Gleichgesinnten herstellen. (AS/WH))