Die Tafel 2.0

Artikel der OGL im Mitteilungsblatt vom 30.04.2020

Über die erforderliche Schließung unseres Tafelladens aufgrund der Corona-Rechtsverordnung haben wir in der vorletzten Ausgabe hingewiesen. Der Grund hierfür liegt in der räumlichen Beengtheit und dient dem Schutz der Kunden sowie der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, die zum größten Teil der Gruppe der lebensälteren Menschen somit der besonders gefährdeten Gruppe angehören.

 

Zehn Jahre standen die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen verlässlich bereit, um qualitativ einwandfreie Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen. Der Wegfall dieser Einrichtung gerade jetzt trifft uns hart.

 

Unser Hilferuf wurde aber von der Verwaltung gehört: Unser Bürgermeister hat sich mit dem Träger des Tafelladens, dem DRK Mannheim kurzgeschlossen. Die beiden, Herr Michler und Herr Mitsch, haben nun sehr engagiert, schnell, unkompliziert und einfallsreich ein Alternativ-Konzept entwickelt:

 

Bereits am 05.Mai von 15-18 Uhr wird unter dem Scheunendach am Sportgelände, unweit der Wohnanlage „Am Nussbaum“ erstmals eine Ausgabe von Lebensmitteln im Freien stattfinden!

 

Geschützt vor Sonne, Wind und Wetter und vor allem auf einer großzügigen Fläche, die das erforderliche Abstandhalten ermöglicht, werden am Dienstag Nachmittag Tüten gegen eine kleine Schutzgebühr zum Befüllen mit lebensnotwendigen Dingen ausgegeben.

 

Die Auftaktveranstaltung wird von Herrn Mitsch, DRK Mannheim organisiert. Das DRK kümmert sich um die Logistik, bringt die zu verteilenden Lebensmittel, Tüten, Bänke und prominente Helfer mit, nämlich die Handballer der Rhein-Neckar-Löwen!

 

Jeder der einen Tafelausweis besitzt, aber auch jeder, der durch die Krise betroffen ist, darf sich versorgen. Die Aktion soll fortgesetzt werden. Mit Hilfe des DRK Mannheims soll sie daraufhin jeden Dienstag Nachmittag stattfinden. Sehr viele unserer MitbürgerInnen haben sich bisher gerne zur Mithilfe im Rahmen der Nachbarschaftshilfe gemeldet. Wir sind uns sicher, dass sich auch für die Mithilfe bei der Tafel sehr viele Mitbürger melden werden.

 

Unsere aktuelle Situation zeigt deutlich, dass jeder von uns unverschuldet in Not geraten kann. Denn welche Einkünfte hat derzeit ein Musiker, ein Schauspieler, ein freischaffender Fotograf, welche Einbußen ein angestellter Mitarbeiter in von Kurzarbeit bedrohten Branchen? Wie sehr sind StudentInnen, DozentInnen, RentnerInnen durch die Krise finanziell belastet? Wie sehr trifft es Hartz4-Bezieher, wenn die Schulspeisung der Kinder wegfällt?

 

Wir hoffen darauf, dass die Ausgabe auch von akut betroffenen Mitbürgern genutzt wird und dass Bedürftigkeit nun endlich die Betroffenen nicht mehr stigmatisiert. Jedem von uns kann es passieren!

 

Wir finden die Initiative unseres Bürgermeister sehr wertvoll, nicht nur weil sie finanzielle Nöte lindert, sondern auch weil sie neue Wege beschreitet. Vielen von uns steht in Corona-Zeiten nun viel mehr Zeit zur zur freien Verfügung. Die können wir nutzen, um zu helfen und um - mit Abstand - eine solidarische, verständnisvolle, offenherzige Nachbarschaft zu leben.(BJ)