Gemeinderat: Chance verpasst – eine Entscheidung gegen unsere Jugend

Artikel der OGL im Mitteilungsblatt vom 07.03.2019

Sie sind berühmt geworden, die Demonstrationen unserer Schülerinnen und Schüler an den Freitagen für mehr Klimaschutz. Sogar Bundeskanzlerin Merkel hat dieses Engagement als „sehr gute Initiative“ bezeichnet. Und was geschieht bei uns in Edingen-Neckarhausen? Der Gemeinderat trifft eine Entscheidung, die den Klimaschutz kein Stück voranbringt und damit auch die Anliegen unserer Jugend ignoriert. Worum geht es? Bei der Sitzung am 20.02. stand eine Entscheidung über die Stromlieferung für unsere Gemeinde und ihre Einrichtungen zur Diskussion. Der Gemeinderat beschloss mehrheitlich (gegen unsere Forderung in der Sitzung) Strom aus erneuerbaren Energien zu beziehen, aber ohne „Neuanlagequote“. Was bedeutet das? „Ökostrom“ ohne Neuanlagequote stammt überwiegend aus älteren und schon lange abgeschriebenen Wasserkraft­werken. Dadurch bringt der Bezug von Strom aus diesen Kraftwerken keinerlei zusätzlichen Umweltnutzen. Bei Ökostrom „mit Neuanlagenquote“ dagegen stammt ein Drittel des Stroms aus Anlagen, die nicht älter als sechs Jahre sind, ein weiteres Drittel aus Anlagen, die nicht älter als 12 Jahre sind. Dadurch wird der dringend notwendige Anreiz zum Bau neuer Anlagen erzeugt. Zitat Verbraucherzentrale: „Die Energiewende bringt vor allem der Bau weiterer Anlagen zu erneuerbarer Stromerzeugung voran. Keinen zusätzlichen Umweltnutzen hat zum Beispiel der Verkauf von Strom, der aus alten Wasserkraftanlagen erzeugt wird.“ Genau diesen Weg hat der Gemeinderat aber nun beschlossen! Da nützte es auch nichts, dass die UBL-FDP/FWV-Fraktion an die örtliche Initiative unserer „Ökostromer“ erinnerte, die mit ihren Projekten regelmäßig auf den vordersten Plätzen z.B. der Zeitschrift „Öko-Test“ zu finden ist und damit ein großartiges Alleinstellungsmerkmal für unsere Gemeinde darstellt. Sie sollten nicht eingebunden werden – ebensowenig unsere Klimaagentur KliBA. Und das Geld? Im Haushaltsplan sind an Stromkosten für das Haushaltsjahr 217.000.- € veranschlagt. Nach der amtlichen Niederschrift über die Gemeinderatssitzung bringt der Verzicht auf die Neuanlagequote eine Einsparung von 3000.- €.  Geht man von der Richtigkeit dieser Angabe aus, ergibt das eine Einsparung von gerade mal 1,38%. Ist uns die Energiewende nicht einmal 1,38% der Stromkosten wert? Das verstehe wer will. (TH)