Runder Tisch in Schriesheim: Voller Saal und starke Emotionen

Artikel der OGL im Mitteilungsblatt vom 16. Januar 2020

Der Einladung des grünen Landtagsabgeordneten nach Schriesheim waren letzten Samstag erstaunlich viele Menschen gefolgt. In seiner Begrüßung sagte Uli Sckerl, nach dem Start des Bürgerbegehrens „Pro Biene“ seien zwei wichtige Bevölkerungsgruppen mobilisiert worden, auf der einen Seite die Großstädter, die sich für Umwelt und Klimaschutz engagieren wollen, auf der anderen Seite die Bauern und die Landbevölkerung, die schon unter dem Strukturwandel leiden und sich durch schärfere Umweltvorschriften in ihrer Existenz bedroht sehen. Da seien zwei Schnellzüge aufeinander zugerast und die Landesregierung habe erkannt, dass sie eingreifen muss, um eine Spaltung des Landes zu verhindern.

 

Staatssekretär Dr. André Baumann erläuterte in Kurzform die Inhalte des Gesetzentwurfes, der am 18. Dezember zwischen Landwirten und Umweltverbänden ausgehandelt worden war, und er er zeigte sich zufrieden mit dem Kompromiss, der geeignet sei, zu einer Befriedung zu führen und dennoch große Fortschritte beim Artenschutz bringen werde.

 

Nach einer Stellungnahme von Siegfried Demuth (BUND) brachte Wolfgang Guckert vom Kreisbauernverband die Bedenken der Bauern auf den Punkt: Ein Anstieg der Öko-Landwirtschaft auf 30 – 40 % sei unmöglich, wegen des fehlenden Absatzmarktes, da die grünen Überzeugungen der Städter nicht zu einem anderen Konsumverhalten führten. Neue Vorschriften würden dazu führen, dass weitere Betriebe aufgeben. Auch Georg Koch aus Edingen meldete sich zu Wort: Die Subventionen seien für die Landwirte keine Lösung, da die Aufkäufer der Lebensmittelbranche diese einpreisen, um noch billiger anbieten zu können. Für das Nitrat im Grundwasser seien nicht nur die Landwirte verantwortlich, sondern auch die Verbraucher.

 

Die Emotionen schlugen hohe Wellen. Eine Imkerin richtete einen leidenschaftlichen Appell an die Bauern, an das Leben ihrer Bienenvölker zu denken, wenn sie Gifte auf den Acker ausbringen. Einem älteren Bauern brach die Stimme weg, als er darüber sprach, wie ein Bauer am Neujahrstag morgens um sechs im Stall steht und daran verzweifelt, dass sein Einsatz nicht honoriert wird.

 

Dr. Baumann sieht in vielen Punkten die Regierung in der Pflicht. Die Akzeptanz von Bio-Produkten sei mit gezieltem Marketing auch regional zu erreichen. Auch der Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz sieht er als Aufgabe von Forschung und Beratung, nicht nur als Aufgabe der Bauern.

 

Doch auch er war wie viele andere im Saal dankbar für diese Veranstaltung, die dazu geführt hat, dass beide Seiten miteinander ins Gespräch kommen und sich besser verstehen. Jedenfalls wird der einvernehmliche Gesetzentwurf wohl dazu führen, dass das Volksbegehren, das den Bauern deutlich schwerere Einschränkungen auferlegt hätte, nicht weiter verfolgt wird. (WH)