Unsere Radtour zu den Biotopen am Sonntag 5. Mai

 

Viel zu lernen gab es Anfang Mai bei der Radtour der OGL zu den Edinger und Neckarhäuser Biotopen. Es begann mit der physischen Erfahrung des Unterschieds zwischen Wetter und Klima, Statistik und Einzelereignis, an diesem eiskalten Sonntagmorgen im Wonnemonat Mai in Zeiten des Klimawandels. Nach kurzem Warmradeln erreichte die Gruppe die Gemarkungsgrenze im Süden von Edingen, einen Ort, an dem auch manche langediente Edinger in ihrem Leben noch nicht waren. Hier gibt es ein kleines Unikum zu besichtigen, das dem unbedarften Spaziergänger gar nicht auffallen kann: das Ausgleichsbiotop für das Bebauungsgebiet „Bäkowiese“ in Neckarhausen. Wenn, so lernen wir, eine Gemeinde irgendwie Beton auf die Erde legen will, um zu bauen, dann muss sie dafür einen Ausgleich definieren. Dazu hat sie ein Punktekonto. Bäkowiese in Neckarhausen zubauen bedeutet Punkteabzug. Dafür ein Biotop im Edinger Süden als Ausgleich definieren, und schon ist wieder alles gut, denn der Punktestand bleibt „im grünen Bereich“. Aktiv unternehmen muss die Gemeinde da noch lange nichts, kann sie aber, wenn sie will.

 

Vorbei geht es an den sogenannten Blühstreifen, die schön anzusehen sind, in ihrer Mehrheit und durch ihre Funktionsweise aber kaum als Ersatz für eine echte Vernetzung von Biotopen zu sehen sind. Und schon haben wir den nächsten Begriff zu verdauen, denn was bitte ist ein „Nullbiotop“? Das sind Biotope auf privaten Flächen, in denen es bisher keinerlei Eingriff gegeben hat. Sie entstehen oft dadurch, dass sich eine Besitzergemeinschaft einfach nicht über die Art der Nutzung einigen kann. Für das Punktekonto der Gemeinde zählen sie nicht, sind aber dennoch ein Glücksfall für Mensch und Natur.

 

Auf dem weiteren Weg sehen wir ein Stück, auf dem der Rasen völlig verbrannt ist, daneben ein tiefgrünes Feld. Der Laie denkt sich nichts weiter dabei, aber hier hat der Bauer vergessen die Giftspitze abzustellen, als der am Feldrand wendete. Der Rasen verbrennt, man fragt sich warum die Pflanzen das scheinbar problemlos wegstecken.

 

Und weiter geht es nach Norden. Stolz zeigen uns die NABU-Mitglieder in unsere Fahrradgruppe den zukünftigen Modellgarten, den der NABU zur Verfügung gestellt bekommen hat. Die Vermessungspfähle stecken schon, bald soll es losgehen. Kurz danach werfen wir einen Blick auf das Gelände der „Freizeitfarmer“ wo Privatleute kleine Parzellen saisonweise mieten können, um nach ökologischen Grundsätzen ihr Gemüse anzupflanzen. Warum nur, so fragen wir uns, ist es in unserer Gemeinde so schwer, den Einstieg in den ökologischen Landbau auf kommerzieller Ebene zu finden?

 

Inzwischen sind wir gut warmgeradelt und erreichen den Aserdamm in Neckarhausen. Im ersten Teil fahren wir durch eine fast dschungelartige Landschaft, durch die sich ein schmaler Weg schlängelt. Plötzlich ist Schluss mit Romantik, denn das Unterholz ist rausputzt, die Hecken und Bäume sind sauber beschnitten, der Weg ist verbreitert. Sieht sehr sauber und ordentlich aus, aber wozu das alles? Was ein Biotop wertvoll macht, wurde hier weitgehend beseitigt. Es mag dafür gute Gründe geben, wir wollen noch herausfinden, welches es sind.

 

Nach fast drei Stunden Fahrt haben wir genug von der wonnigen Kälte und besprechen alles Weitere in der Gaststätte „Piscina“.