Mittelgewann – sein Schutz endet schon im nächsten Frühjahr

Auf unsere Nachfrage bei der letzten Gemeinderatssitzung hat die Gemeindeverwaltung unsere Befürchtung jetzt offiziell bestätigt: die Sperrwirkung des Bürgerentscheides zum Schutz des Mittelgewannes endet bereits im Frühjahr nächsten Jahres, nämlich genau am 26. März. Auch seine Einstufung im Flächennutzungsplan könnte der Gemeinderat nach dieser Auskunft ändern. Mit anderen Worten: der neue Gemeinderat könnte eine umfassende Bebauung des Mittelgewanns viel früher ermöglichen, als dies vielen wirklich bewusst ist. Das ist auch wahrscheinlich: am 20. Juni letzten Jahres hat der amtierende Gemeinderat die unselige Hau-Ruck-Politik fortgesetzt, die zum Bürgerentscheid im März 2017 geführt hat: mit einer hauchdünnen Mehrheit hat er eine umfassende Bebauung des Mittelgewannes beschlossen. Damit steht dieses Filetstück der Natur und der Naherholung womöglich sehr bald wieder erneut zur Disposition. Die Eigentümer, die bereits jetzt durch Abholzungen Fakten schaffen wollten, werden sich die Hände reiben. Nicht dass wir falsch verstanden werden: wir sehen sehr wohl, dass es erheblichen Wohnraumbedarf in unserer Gemeinde gibt. Und wir sind dafür, dass diese Problematik nachhaltig gelöst wird. Wir sind zum Beispiel die einzige Fraktion im Gemeinderat, die dieser Thematik im letzten Jahr sogar eine eigene Veranstaltung gewidmet hat (am 21. September). Aber wir können und wollen es nicht hinnehmen, dass ein neu gewählter Gemeinderat mehrheitlich eine Politik des „Bauens um jeden Preis“ durchsetzt. Es ist nicht akzeptabel, dass Bebauungspläne regelmäßig im sog. „beschleunigten Verfahren“ durchgepeitscht werden und dabei auf die sonst übliche Berücksichtigung der Belange des Naturschutzes verzichtet wird. Bisher noch weitgehend übliche Denkungsweisen sind nicht dazu geeignet, den neuen Herausforderungen gerecht zu werden. Die Eindämmung des Landschaftsverbrauches ist nicht nur für den Natur- und Artenschutz notwendig, sie dient letztlich auch dem Klimaschutz. Ein „Weiter so wie bisher“ ist nicht akzeptabel. Das müssen wir – auch und gerade beim Mittelgewann - ändern. (TH)