Mehr „Öko“ in der Landwirtschaft ist Pflicht – Wie kommen wir weiter?

Artikel der OGL im Mitteilungsblatt vom 16.07.2020

Der Artikel der RNZ (4.Juli) über unseren Antrag zur Verpachtung landwirtschaftlicher Flächen durch die Gemeinde und die darin zitierten Äußerungen des Ortsbauernverbandes lassen uns etwas konsterniert zurück. Die RNZ folgt der Maxime, „auch mit einer guten Sache sich niemals gemein zu machen“(HaJo Friedrichs). Sie gibt den Landwirten Gelegenheit, sich dazu auszusprechen, und bereichert so die öffentliche Debatte. Wir fühlen uns jedoch gründlich missverstanden.

 

Deshalb einige Klarstellungen: Die Aussage, Entscheidungen über die Flächenvergabe würden im „Hinterzimmer“ getroffen klingt polemisch , entspricht aber der Wahrheit. Bürgermeister Michler hat dem MM bestätigt, dass die Vergabe bisher ein Geschäft der laufenden Verwaltung ist, und dass es dafür keine festen Auswahlkriterien gibt. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir der Verwaltung hier Fehlverhalten vorwerfen, sondern wir möchten das Verfahren transparenter und gerechter gestalten. Bei Ausschreibungen wird dabei heute meist ein Punktesystem verwendet, das die Kriterien klar erkennbar macht. Was diese Kriterien angeht, haben wir Vorschläge gemacht. Zugleich haben wir deutlich gesagt, dass wir diese Kriterien in Zusammenarbeit mit den Interessenvertretungen (Landwirten und Naturschutzverbänden) in einer Arbeitsgruppe des Gemeinderates erarbeiten wollen.

Was uns bei den von Georg Koch genannten Kriterien (Hofnachfolge, Junglandwirt, aktuelle Flächenanzahl) fehlt, ist ganz klar die Zielrichtung einer ökologischen und umweltschonenden Weiterentwicklung der Landwirtschaft. Das ist eine Zielvorgabe der Bundes- und der Landesregierung: mehr als 20 Prozent Ökolandbau bis zum Jahr 2030. Wenn wir Artenvielfalt, Wasserqualität und Klima erhalten wollen, gibt es dazu keine Alternative! Ohne Mitarbeit unserer Landwirte geht das nicht.

Wir sind gern bereit, die Bauern bei allen Bestrebungen in diese Richtung zu unterstützen, wir haben als OGL aber nie in Aussicht gestellt, „eine Vermarktungsschiene für ökologisch produzierte Ware“ aufzubauen. Das liegt nicht in unserer Macht. Viele von uns würden aber gern ein Projekt z.B. nach dem Modell der „Solidarischen Landwirtschaft“ unterstützen, wenn ein Landwirt das in Angriff nehmen würde. Die Landesregierung hat Unterstützung bei der Vermarktung ökologischer Produkte zugesagt, das geht aber nur, wenn Betriebe auch ökologisch produzieren.

Wir wünschen uns keine Zuspitzung von Konflikten, sondern ein offenes Gespräch und sachliche Zusammenarbeit mit den Landwirten, wie auch schon in den „Runden Tischen zur Artenvielfalt“. Eine Opposition der Bauernverbände gegen alle ökologischen Auflagen hilft niemandem. Die Zukunft der Landwirtschaft muss und wird ökologischer sein, und nur zusammen – Produzenten, Konsumenten und Politik – können wir das erreichen. (WH)