Eine Frage der Lebensqualität

Artikel der OGL im Mitteilungsblatt vom 20.12.2018

Wir haben uns in diesem Jahr in zahlreichen Artikeln mit dem Thema Bauen, Wohnen und dem damit verbundenen Verbrauch von Flächen und damit auch der Belastung unserer Umwelt beschäftigt. Auch heute haben wir wieder Anlass, darüber nachzudenken, angeregt durch die Argumentation der SPD zum Baugebiet Tennisplätze bei der letzten Gemeinderatssitzung.

 

Die SPD hat uns vorgerechnet, was eine 90-qm-Wohnung bei der geplanten Bebauungsdichte und Verkehrsanbindung kosten würde: jedenfalls viel zu viel für eine Sozialwohnung. Wir können und wollen diese Berechnung nicht bestreiten. Auch wir haben ja gesagt, dass wir uns eine dichtere Bebauung gewünscht hätten. Wir können aber auch nachvollziehen, warum Anwohner sich gegen ein Überbauen des Rodelhügels und gegen höhere Häuser wehren. Letztlich geht es um die Frage: Was ist für uns Lebensqualität. Für die Nachbarn kann die Bebauung ein Verlust an natürlicher Umwelt, eine Beschattung durch höhere Gebäude und eine Lärmbelästigung durch mehr Verkehr bedeuten.

 

Für die zukünftigen Bewohner wird der Anspruch auf zwei Parkplätze pro Wohnung, einen barrierefreien Zugang mit Fahrstuhl und reichlich Platz, d.h. ca. 20 qm pro Person für selbstverständlich erachtet, zumal die Nachbarn gleiche Ansprüche haben.

 

Wir wollen an dieser Stelle nicht Bescheidenheit predigen, aber man kann durchaus einmal darüber nachdenken ob diese ständig steigenden Ansprüche an Wohnraum und individuelle Mobilität wirklich über Lebensqualität entscheiden. So gibt es in einigen Gemeinden schon autofreie Wohngebiete, die gut an den OPNV angebunden sind, mit kurzen Wegen zu Einkaufsmöglichkeiten.
Auch gibt es Konzepte für raumsparendes Wohnen durch flexible Nutzung von Gemeinschaftsräumen. So braucht man kein riesiges Wohnzimmer, wenn man nur ab und zu Gäste empfängt, wenn es einen Gemeinschaftsraum gibt, den mehrere Familien oder Einzelpersonen bei Bedarf nutzen können.

 

Andererseits kann es eine große Rolle spielen, ob es in der Nähe noch intakte Natur gibt und wie das Gemeinschaftsleben in einer Wohnanlage funktioniert. . Kurz gesagt, wir müssen das Wohnen neu denken, wie es auch vom Mannheimer Morgen beim Kommentar zu der Berichterstattung über die Bebauung der ehemaligen Tennislätze angeregt wurde.

 

Was wir als Lebensqualität empfinden, kann nicht der Gemeinderat beschließen, sondern das müssen die Einwohner für sich bestimmen und untereinander aushandeln. Deshalb finden wir es richtig, auf die Bedenken der Anwohner einzugehen. Der städtebauliche Entwurf ist auch noch kein Bebauungsplan. Wir sind dafür, die Vorgaben nach Vorlage eines konkreten Planes neu zu prüfen.

 

Wir wünschen allen Lesern des Mitteilungsblattes ein besinnliches Weihnachtsfest und ein glückliches Neues Jahr. (WH)