Von der Notwendigkeit einer ökologischen Landwirtschaft

Artikel der OGL im Mitteilungsblatt vom 14.02.2019

Zur Erhaltung unserer Artenvielfalt von Insekten und Vögeln brauchen wir mehr ökologische Landwirtschaft. Unsere Landwirte in Edingen-Neckarhausen scheinen noch nicht recht davon überzeugt.

Sie bewirtschaften das Land, ihr eigenes, aber auch das gepachtete, konventionell. Sie fürchten die Umstellungsphase von drei Jahren, auch wenn in dieser Zeit weiter verkauft werden kann und die Umstellung sogar gefördert wird. Das kann so nicht weitergehen: Der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung werden dramatische Verluste an Vielfalt und Anzahl von Tieren und Pflanzen zugeschrieben. Die Intensivierung der Landwirtschaft hat zur Folge, dass sich die Erträge etwa  beim Winterweizen von 1949 bis 2011 nahezu verfünffacht haben. Dem gegenüber steht aber der Rückgang der Feldlerche um 34%, des Kiebitzes um 75% und des Rebhuhnes gar um 94% (im Zeitraum 1990 bis 2009). Das Insektensterben hat mittlerweile gefährdende Ausmaße angenommen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien aus Deutschland und ganz Europa zeigen massive Rückgänge wichtiger Insektengruppen. Ein Beispiel von vielen: Die ornithologische Beobachtungsstation am Randecker Maar dokumentiert seit dem Jahr 1972 auch den Herbstzug der Schmetterlinge. Dabei wurde z.B. beim Kohlweißling ein Rückgang von mehr als 1000 Exemplaren/Tag auf kaum 20 Exemplaren/Tag beobachtet. Beim Tagpfauenauge ist der Verlust noch größer: von früher mehr als 400 Exemplaren konnte nur noch etwa ein Exemplar pro Tag gezählt werden. Und auch diese Zahl bedeutet ein dramatisches Warnsignal: die Insektenbiomasse ging in 27 Jahren um 76,6% zurück. In der Folge gehen auch das Bestäuben der Pflanzen und damit der Ertrag der Landwirtschaft zurück.

 

Als Ursachen für diese Entwicklung werden genannt: die Monotonisierung und Intensivierung in der Landwirtschaft, der Verlust von Ackerlandstrukturen, der Umbruch von Grünland in Ackerland, die Eutrophierung und die Vergiftung durch Pestizide. Für eine Form der Insektizide, die Neonicotinoide, ist die hohe Schädlichkeit für Honigbienen eindeutig nachgewiesen. Eine EPSA-Studie belegt aber auch gesundheitsschädigende Auswirkungen dieser Gifte auf Menschen.

 

Das heißt: wir können nicht weiter tatenlos zusehen. Auch auf kommunaler Ebene muss gehandelt werden. In dem vom Gemeinderat bewilligten Klimaschutzkonzept wurde die Entwicklung einer Dachmarke "Landbau ökologisch und fair in Edingen-Neckarhausen" für das Jahr 2019 beschlossen. Die Umsetzung dieses Beschlusses werden wir demnächst im Gemeinderat beantragen (TH).