Alles muss raus - der Ausverkauf der Allgemeingüter zu Lasten eines „guten Lebens“

Artikel der OGL im Mitteilungsblatt vom 09.Juli 2020

In vielen Kommunen geht es bei den meisten Entscheidungen nur um Kohle, nämlich um Geld. Genau wie die Kohle selbst, die die Wirtschaft am Laufen gehalten hat und immer noch hält, aber eine der größten Klimakiller ist, hat diese Sichtweise einen gravierenden Nachteil. Wir brauchen Wirtschaftswachstum, um unseren Wohlstand zu halten und unsere kommunalen Schulden abzubauen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist uns jedes Mittel recht. Was wir mit dem Geld zu tun gedenken, wird leider nicht an Wertverlust und Schadschöpfung gemessen, sondern nur an Wertschöpfung, die in Wirklichkeit keine ist. Gemeindeeigentum wird oft ohne zu zögern verkauft und geht damit der Allgemeinheit für immer verloren. Dabei ist Grund und Boden ein Gut, das nicht vermehrbar ist und immer knapper wird. Privatisierung von Boden erlaubt Spekulationsgewinne und verbaut den Kommunen langfristig Möglichkeiten städtebaulicher Entwicklung. Dies brauchte allerdings längerfristige Voraussicht, Hartnäckigkeit und Ausdauer.

 

Anreizsysteme, politische Programme, Finanzmärkte usw. verfolgen meistens nur ein Ziel: Mehr (Geld). Leider ist es so, dass soziale beziehungsweise umweltorientierte Werte abnehmen, wenn materielle Interessen wie Status, Macht und Geld zunehmen. Gleichzeitig schwinden Mitgefühl, Großzügigkeit und Umweltbewusstsein. Soziale und ökologische Ziele stehen dem Ziel nach schnellem Geld leider, leider entgegen - und müssen halt, wie so oft, zurückstehen.

 

Wie wäre es mit einer Reduktion des Umweltverbrauches und entsprechenden Bilanzen, die bei dieser Zielerreichung helfen? Dies würde für einen Teil der Menschheit Verzicht bedeuten, aber für die meisten ein Mehr an Lebensqualität. Doch wenn wir die Erde nicht ruinieren wollen, ist das nicht zu vermeiden. Was brauchen wir denn? Versorgungssicherheit, nämlich Nahrung, Trinkwasser, Wohnung, Energie, Gesundheitsvorsorge und Bildung. Unsere Ansprüche sind, besonders in den letzten Jahrzehnten, explodiert. Es wird Zeit, Bilanzen zu korrigieren - und damit auch Preise. Für viele Produkte müssen diese sich dann so erhöhen, dass sie die wahren Kosten anzeigen. Die Bepreisung von CO2 ist ein Versuch in die richtige Richtung. Im Moment zahlt der weniger wohlhabende Teil der (Welt-) Bevölkerung die Zeche, der am wenigsten zur Umweltverschmutzung beiträgt. Gerechtigkeit wäre die Lösung. (RS)